Team Papamussmalraus Origins

Wir sind fünf Familienväter, kennengelernt haben wir uns zum größten Teil weil unsere Ältesten im selben Kindergarten waren. Wir lieben unsere Familien sehr. Aber auch wer Papa mit Leib und Seele ist, der muss doch mal ab und zu für ein paar Stunden von zu Hause raus und was für sich allein machen (gilt natürlich analog für Mamas). Und da stehen nun verschiedene Freizeitaktivitäten zur Auswahl. Hier ein paar Möglichkeiten:

  • abendliches Biertrinken in der Kneipe um die Ecke (nicht unbedingt als Haupthobby geeignet)
  • Engagement beim örtlichen Fußballverein (betreibt ein Teammitglied parallel)
  • Implementierung einer Zweitfamilie (zu stressig und nur wenig Mehrwert, ist mir von keinem Teammitglied bekannt)
  • Gemeinsame oder solo Videospielabende (kommen dennoch ab und zu vor, sind aber zu sehr indoor gebunden und eher ganz-ganz-schlecht-Wetter-Alternativen)

Das Schicksal hatte jedoch mehr mit uns vor:

Aufgrund meines seit längerem bestehenden Interesses an digitaler Kartografie (OSM, Google Maps, Here, Bing Maps) war ich auch mal über den Begriff „Geocaching“ gestolpert und hatte mir mal einen Account bei www.geocaching.com angelegt. Ich hatte mir die Seite angesehen, mich mit dem groben Prinzip vertraut gemacht, das Thema dann aber wieder ad acta gelegt und für erst mal nicht weiter beachtenswert abgestempelt.

Am 31.12.2016 kam es dann, dass wir (3 der heutigen Mitglieder mit Familien) unseren mittlerweile traditionellen Ausflug zum Kloster Andechs machten. Zwischen Mass und Haxn ließ 18Tom60 den folgenschweren Satz: „Ganz in der Nähe liegt ein Schatz versteckt“ fallen.

Die anwesenden Kinder bekamen große Augen und auch ich freute mich dann doch, meinen Monate zuvor erstellten Account nun mal tatsächlich nutzen zu können (zuvor hatte ich tatsächlich mal einen Earthcache am Wendelstein geloggt, noch nie aber einen richtigen Cache Behälter gesucht oder gar gefunden).

Wir also alle hin zum vermeintlichen Versteck. Keiner wusste so richtig, wonach wir hier eigentlich suchten. Nach einiger Wühlerei in der App kam ein Hinweis zum Vorschein, der eine Klemmdose als Cacheversteck auswies. Nach kurzer weiterer Suche  wurde ein kleiner Behälter hervorgezogen (ich weiß nicht mehr von wem), der für nicht viel mehr als ein kleines Logbuch und einen Hüpfball oder ein Kreisel oder irgend etwas in der Art Platz bot. So trugen wir uns Logbuch ein und irgendwer tauschte irgendwas gegen den enthaltenen Gegenstand.

Obwohl sie sich unter dem angekündigten Schatz sicherlich etwas anderes vorgestellt hatten, waren die Kids erstaunlich zufrieden mit dem Fund, hatten die Sache jedoch bald wieder vergessen. Mir selbst ließ das ganze jedoch in den folgenden Wochen keine Ruhe und so beschloss ich auch mal in unserer Nachbarschaft auf Dosensuche zu gehen.

Mein erster Versuch, den nächsten Cache von zu Hause aus zu finden, blieb zunächst erfolglos. Trotz intensiver Suche an allen (nach meinem damaligen Kenntnisstand) möglichen Verstecken im näheren Umfeld der angegebenen Koordinaten fand ich genau Garnichts. Unzufrieden rückte ich wieder ab, aber ich wollte wieder kommen.

An einem Samstag, ich hatte ohnehin geplant mit den Kindern etwas vor die Türe gehen, packten wir also alles zusammen was wir für notwendig hielten und starteten eine Radeltour um ein paar Caches im näheren Umfeld zu suchen (inklusive dem kurz vorher nicht gefundenen). Diesmal lief es dank der Unterstützung meiner beiden Mädels besser und nach kurzer Zeit standen wir in insgesamt drei Logbüchern. Die Freude über jeden einzelnen Fund war riesig (bei allen drei Beteiligten) und wir beschlossen, dass die Suche in Zukunft weiter gehen muss.

So oder so ähnlich ging das dann knapp zwei Jahre, in denen ich ab und zu mal alleine, mal mit den Kindern los zog um eine insgesamt überschaubare Anzahl an Caches zu suchen und zu loggen. Im Fokus stand dabei nie die Masse, wichtig war eher der Spaßfaktor (und das ist auch heute noch so). Daher kam ich in den 2 Jahren auf nur etwa 70 Funde (manch anderer Cacher macht das an einem Tag).

Schließlich kam der Tag im März 2019, an dem ich einen interessanten Nacht-Multi auf der Karte sah, den ich gerne machen wollte. Nachts alleine im Wald halte ich generell nicht für problematisch, aber als verantwortungsbewusster Familienvater wollte ich das dann doch nicht solo angehen (man bewegt sich ja auch mal abseits der Wege und nachts ist das ein oder andere Hindernis schnell mal übersehen). Also kontaktiert ich 18Tom60, der seit Andechs auch immer wieder mal solo oder mit dem Sohnemann unterwegs gewesen war um Logbücher zu signieren.

Ein paar Direct-Messenger Nachrichten später stand unser Date für unseren ersten Nachtcache (und unseren zweiten gemeinsamen Cache überhaupt). Wir waren beide sehr gespannt, was uns da wohl erwartet. Und so trafen wir uns ein paar Tage darauf maximal ausgerüstet um den Cache zu heben. Stirnlampe an. GPS Gerät bereit. Smartphones aufgeladen. Stift, Notizbuch und Fernglas (für diesen Cache notwendig) dabei. Los geht’s. Erste Station schnell gefunden. Von hier aus rechnen und peilen und weiter zu Station zwei. Auch die wurde nach nur wenig Suchen und unter Zuhilfenahme des Fernglases ausfindig gemacht. Ab hier wurde es etwas haarig. Die dritte Station war irgendwie verschollen und die vierte wohl auch nicht da und überhaupt… Irgendwas war hier nicht ok. Trotzdem weiter, über dies und das getratscht und eher halb aktiv nach Reflektoren, die die weiteren Stationen markieren sollten, gesucht.

Leider hatten wir beide trotz aller Vorbereitung versäumt, das Listing oder die vorangegangenen Logeinträge richtig zu lesen. Sonst hätten wir zum einen gewusst, dass der Cache dringendst Wartung benötigt (weil mehrere Stationen weg oder beschädigt sind) und außerdem wie weit wir maximal vom Start bis zur letzten Station hätten gehen müssen.

Nun waren wir zum Glück nur etwa 500 m übers Ziel hinaus geschossen und hatten zudem beim Hinweg schon eine hoch verdächtige Struktur im Wald erspäht, der wir aber zunächst wenig Beachtung geschenkt hatten. Die Entscheidung bezüglich des weiteren Vorgehens war nach aufmerksamer Lektüre von Listing und Logs klar: auf die Hinweise gesch***en, zum potentiellen Finale und da einfach mal suchen! Nach etwas Kletterei und Räuberleiterei wurden wir hier bald fündig und konnten uns stolz ins Logbuch eintragen. Der Grundstein für weiter gemeinsame Expeditionen dieser Art war gelegt.

Bild: Tom beim Erklettern der Finallocation

Schon am nächsten Tag trafen wir uns wieder, diesmal jedoch aus anderem Anlass. Gemeinsam mit den Frauen und Kindern und zwei anderen befreundeten Familien fuhren wir zu einem nahegelegenen See, um die dortigen Spielplätze unsicher zu machen. Als wir so in illustrer Herrenrunde beieinander standen erzählten 18Tom60 und ich von unserem gestrigen Ausflug. Verständnislose Gesichter waren die Folge. Ich erzählte weiterhin, dass ich von einem anderen Nacht-Cache gelesen hatte, für den eine Dauer von 4-5 Stunden angegeben war. Eigentlich wollte ich damit nur auf die mögliche Komplexität und die Mühe, die sich manch ein Owner macht, hinweisen. Ungläubige und wieder verständnislose Gesichter… Nach einiger grundlegender Aufklärungsarbeit bezüglich des Themas Geocaching und etwas Diskussion über den angeblichen 4-5 Stunden Cache stand fest, dass wir (Väter) dieser Sache auf den Grund gehen müssen. Früher oder später müssen wir diesen Cache alle vier gemeinsam angehen. Da die neu hinzugewonnenen Cachekollegen und absoluten Neulinge auf dem Gebiet jedoch erst mal in das Thema hineinschnuppern sollten, zog ich am wiederum nächsten Abend mit TheRealJoschi los (damals noch Account-/Namenlos) um einen kleinen Multi-Cache in der Nähe zu machen. Auch hier hätte es wieder geholfen, wenn wir vorab die Vorgängerlogs gelesen hätten, da auch hier nicht alles ganz so wie ursprünglich gedacht war. Zunächst mal hätten wir das ganze nicht nachts machen sollen. Dann hatten schon einige Vorlogger Probleme mit einer Station gehabt. Jedenfalls gelang es uns relativ problemlos, bis zur vorletzten Station zu gelangen. Was der Owner hier von uns wollte war dann allerdings maximal unklar und auch die (bis hierhin nicht gelesenen) Vorgängerlogs berichteten von Problemen mit der Station. Nach längerer erfolgloser Suche, mehreren Verwünschungen des Owners und frustbedingten Aufgabefantasien kamen wir auf die Idee, das Ausschlussverfahren anzuwenden um die hier gesuchte Zahl zu ermitteln. Glücklicherweise ging der Plan auf und die Zielkoordinaten des Finals konnten bald ermittelt werden. Nach erfolgreichem Log machten wir uns auf den Rückweg. Da ich mich großzügiger Weise (böse Zungen würden behaupten ausnahmsweise) als Fahrer angeboten hatte, nahmen wir in meinem Auto Platz und ich fuhr los Richtung Heimat. Wir fuhren durch die unseriöse Gegend, in der wir geparkt hatten. Kurz vor Verlassen dieser bemerkte ich im Rückspiegel ein Polizeiauto. Aufgrund meiner möglicherweise unsicheren Fahrweise (ich hatte beim Abbiegen kurz gezögert, bevor ich losfuhr), erblickte ich kurz darauf ein „Stop Polizei“ im Rückspiegel. Nicht zuletzt aufgrund unseres unauffälligen Auftretens (dunkle Kleidung, Stirnlampen usw.) war die anschließende Befragung zur Zufriedenheit aller schnell beendet und man ließ uns weiter ziehen. Ausflug beendet, TheRealJoschi zum ersten Fund verholfen und damit erfolgreich final zum Geocachen angefixt (zwei Tage später hatte er einen Premium Account).

Bild: Joschi mit seinem ersten Cache

Im darauf folgenden Monat (April 2019) stand ein gemeinsamer Urlaub mit WolfingerUndWauwau und 18Tom60 mitsamt Familien an. Da wir hier den ein oder anderen freien Abend hatten, wurde auch hier wieder etwas Dosensuche betrieben (unter anderem auch ein sehr cooler Multi-Cache, den wir bei einer tollen Tour mit den Familien einsammeln konnten). Damit war dann auch WolfingerUndWauwau zu seinen ersten praktischen Erfahrungen gekommen und dem damals angekündigten 4-5 Stunden Multi stand nichts mehr im Wege. Noch im selben Monat fanden wir einen gemeinsamen Termin, um die Sache anzugehen. Um den Cache zu machen benötigte es vorab einer Anmeldung, für die ein Teamname angegeben werden musste. Da wir alle Papas waren, die wie zu Angangs erwähnt eben auch mal raus müssen,  war der Name „Team Papamussmalraus“ gesetzt.

Der Tag des großen Caches rückte immer näher, als 18Tom60 mit der Ankündigung kam, er habe da einen Bekannten, der sich ebenfalls für derlei Aktionen begeistern lässt und der uns gerne begleiten würde. Da wir anderen Menschen gegenüber grundsätzlich erst mal aufgeschlossen sind, gab es nur wenige kritische Äußerungen und der Teilnahme des neuen wurde mit knapper Mehrheit zugestimmt. Später sollte sich herausstellen, dass es sich bei dem neuen Mitcacher (heute bekannt als Aalex79) um einen durchaus brauchbaren und angenehmen Kerl handelt, der mittlerweile einen festen Platz im Team Papamussmalraus hat.

So trafen wir uns also eines Abends (Wettervorhersage: leicht bewölkt aber kein Regen) vor der Haustüre von TheRealJoschi. Schon auf der Hinfahrt konnte ich aufgrund des plötzlich auftretenden starken Regens kaum etwas sehen. Vor Ort angekommen sah ich WolfingerUndWauwau mit dem Rad, trotz Regenhose völlig durchnässt, den Treffpunkt anfahren. Nach und nach trudelten alle ein, wir begrüßten unseren neuen Mitstreiter in unserer Runde. Aufgrund der Wettersituation kam unweigerlich die Frage: „sollen wir das wirklich heute machen???“ auf. Eine kurze Diskussion mit etlichen gegenseitigen (nett gemeinten) Beleidigungen unterhalb der Gürtellinie später stand die Entscheidung: los geht’s. Und so machten wir uns mit dem Auto auf den Weg zu den Startkoordinaten.

Vor Ort angekommen stellten wir fest, dass wir etwa 45 Minuten zu früh da waren (Der Cache hatte wie erwähnt eine Anmeldepflicht, um zu verhindern, dass mehrere Teams gleichzeitig starten. Dabei wird zur angegebenen Startzeit ein Code per E-Mail verschickt, mit dem man die erste Station machen kann).

Um die Wartezeit zu verkürzen verteilte 18Tom60 erst mal seine mitgebrachte Wegzehrung unter den Anwesenden. Ein bis zwei Bier später war es dann endlich soweit und wir konnten starten.

Bild: Kooridnatenermittlung an Station 1

Das Ganze startete recht unspektakulär. Mit Hilfe des zugesandten Startcodes wurden Koordinaten ermittelt und dort der nächste Hinweis gesucht. Und ab hier begann ein wahres Feuerwerk an kreativen, fordernden, spannenden und einfach nur großartigen Stationen. Da wollte gepuzzelt, UV Licht eingesetzt, gelasert, gefunkt, geklettert und sonst noch was alles gemacht werden. Wir kämpften uns durch den dunklen Wald, immer in freudiger Erwartung der nächsten Station und mit der Frage, wie diese uns nun wieder begeistern würde. Nach etwa 4,5 Stunden waren wir dann tatsächlich am Finale angekommen und lediglich aufgrund der späten Stunde und des wieder einsetzenden Regens doch irgendwie ein bisschen froh, nun am Ziel zu sein. Da es sich hier ganz nebenbei um meinen 100. Cache handelte, hatte ich einen kleinen Umtrunk in Form eines (leider abgelaufenen und nicht mehr ganz schmackhaften) Sekts vorbereitet, mit dem wir auf den großartigen Cache anstießen.

Abschließend lässt sich sagen, dass wir an diesem ersten Abend in kompletter Teamstärke eines der bis heute großartigsten (wenn nicht das großartigste) Cacheerlebnisse unserer bisherigen Cacherkarriere genießen durften.

Der Einzige Nachteil an der Sache ist, dass wir seit diesem Cache sehr hart mit den später gemachten Multis ins Gericht gingen, da sich kaum etwas an diesem Meisterwerk messen konnte.

TftC

2 Kommentare

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